Strassennamen des Ostviertels

Teil 2: Josef-von-Görres-Straße - Kurfürstenstraße

Josef-von-Görres-Straße

Diese breit angelegte Verbindungsstraße zwischen dem Hohenzollernplatz und der Jülicher Straße war ursprünglich als Wohnstraße mit Kleingartenanlagen beiderseits der Wurm konzipiert.

Der Bau der Autobahn mit dem Rondell des Europaplatzes teilt heute diese Straße in etwa zwei gleichlange Hälften, davon ist der südliche Teil dem Ostviertel zuzurechnen. Mit diesem extremen Eingriff in den Charakter der Straße wurde aus der Wohnstraße ein Autobahnzubringer.

Der Name der Straße erinnert an den Publizisten und Schriftsteller Johann Josef von Görres, der im 19. Jahrhundert vor allem das katholische Rheinland prägte. Geboren 1776 in Koblenz, erschien ihm zunächst die französische Revolution 1789 das geeignete Mittel, die absolutistischen Monarchien in Europa durch demokratische Republiken zu ersetzen. In diesem Zusammenhang favorisierte er ein "Rheinische Republik".
Im Zuge der Radikalisierung der französischen Revolution und dem folgenden Imperalismus Napoleons I. wandte sich Görres von dieser Entwicklung ab, zog nach Heidelberg und schloss sich dort dem Kreis Heidelberger Romantik an, dem auch Achim von Arnim und Clemens Brentano angehörten. Als Privatdozent an der Heidelberger Universität arbeitete er 1806/07 bei der "Zeitung für Einsiedler" und gab die "Teutschen Volksbücher" heraus.

Es folgte 1814 der "Rheinische Merkur", in dem er leidenschaftlich gegen Napoleon I. Stellung bezog und eine freiheitliche Verfassung für ein geeintes förderalistisches deutsches Reich forderte. Die restaurativen Bestrebungen in den deutschen Landen nach der Niederringung Napoleons enttäuschten Görres, so dass er insbesondere in Gegensatz zu Preußen geriet. Als Reaktion auf seine Schrift "Teutschland und die Revolution" sah er sich veranlasst, nach München zu fliehen, um einem Haftbefehl des Großherzogs von Baden zuvor zu kommen.

In München bekleidete der stets unruhige Geist Görres 1827 eine Professur für Geschichte und wurde Mittelpunkt eines Kreises kath. Gelehrter, der "Die historischen und politischen Blätter" herausgab. Kurz vor seinem Tode 1848, kritisierte Görres die preußische Politik im Kölner Kirchenstreit (Kindererziehung bei konfessionell gemischten Ehen) und nahm Partei zugunsten des Erzbischofs von Köln.

Der Geist von Johann Josef von Görres lebt weiter in der 1876 gegründeten Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft, der seit 1966 Professor Paul Mikat, ehemaliger Kultusminister NRW, vorsteht, sowie im "Rheinischen Merkur", der als Wochenzeitung weiterhin besteht.

Kurfürstenstraße

Wie die meisten Straßen im Ostviertel ist auch die Kurfürstenstraße eine reine Wohnstraße. Sie wird nördlich von der Oranienstraße und südlich von der Oppenhoffallee (die dem Frankenberger Viertel zugeordnet) begrenzt.
Der Name steht im Gegensatz zur Bedeutung der Straße: Die Kurfürsten-Versammlung war das höchste Gremium, das im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit die Wahl des deutschen Königs und später des Kaisers des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation vornahm. Dieses Gremium entstand wie folgt:
Nach dem Aussterben der Karolinger im Ostteil des fränkischen Reiches (911) fanden sich die mächtigen Stammesherzöge (Bayern, Franken, Niederlothringen, Sachsen, Schwaben) zusammen und bestimmten jeweils den König, der im Reich zu regieren hatte. Mit Otto I. (936-973) wurde der Königsmacht noch die Kaiserwürde hinzugefügt (962 durch Papst Johann XII.).

Das Ende der Staufferzeit (1254 Tod König Konrad IV.) signalisierte "Das Interregnum" (1254-1273). Diese Zeit, als kaiserlose, schreckliche Zeit bezeichnet, führte zu unterschiedlichen Königs-wahlen zur gleichen Zeit. Dies wertete das Königtum ab und eröffnete Raum für wirre, untragbare Verhältnisse.

Eine Gruppe weltlicher und klerikaler Potentaten, bereits 1250 im Sachsenspiegel erwähnt, nutzte die allgemeine Konfusion und bereitete der "Königsinflation" ein Ende: Sie wählten Rudolf von Habichtsburg aus der Schweiz zum König. Diesen "Königsmachern" - Kurfürsten genannt (Kur althochdeutsch: Wahl) - gestand Rudolf I. das Recht zu, auch in Zukunft den deutschen König wählen zu dürfen und über Reichsrechte und -güter mit zu entscheiden. Sieben Reichsfürsten gehörten zunächst diesem Kronrat an: Die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier, der König von Böhmen, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der Pfalzgraf bei Rhein. In der "Goldenen Bulle" von 1356 erfolgte ihre end-gültige reichsgesetzliche Festlegung durch König/Kaiser Karl IV.

Mit Beginn der Hussitenkriege 1419 schied der König von Böhmen bis 1708 aus dem Kurfürstengremium aus. Der Pfalzgraf bei Rhein traf 1623-1648 das gleiche Schicksal, da er sich widerrechtlich zum König von Böhmen durch die protestanisch-böhmischen Stände wählen ließ. Diese Kurwürde wurde dem Herzog von Bayern als dem Bündnispartner Kaiser Ferdinand II. im 30-jährigen Krieg zuerkannt. Nachdem mit dem Herzog von Braunschweig-Lüneburg für Hannover eine weitere Kur 1692 vergeben wurde, bestand die "Kurriege" nunmehr aus 9 Mitgliedern.

Im Zuge der napoleonischen Besetzung und der Gründung des Rheinbundes 1806 sowie des Reichsdeputationshauptschlusses bereits 1803 traten weitere Veränderungen ein, die jedoch insofern bedeutungslos blieben, als Napoleon I. nunmehr im Reich ausschließlich nach seinem Gutdünken handelte. Als Folge der damit einhergehenden Machtlosigkeit des deutschen Kaisers in Wien legte dieser - Franz I. - 1806 die Deutsche Kaiser- und Königskrone nieder. Damit fand auch das Kurfürstengremium sein Ende.

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