Strassennamen des Ostviertels

Teil 3: Weißenburger Straße - Sedanstraße - Oranienstraße

Weißenburger-, Sedanstraße

Zwei Straßenzüge, die in engem historischen Kontext stehen. In ihrer Funktion sind sie von unterschiedlicher Qualität:

Die Weißenburger Straße – im Osten begrenzt durch die Düppelstraße und im Westen durch den Adalbertsteinweg – säumen meist Wohneinheiten und Kleinbetriebe.

Die Sedanstraße dient, trotz Wohnbebauung, vor allem als stark frequentierte Verbindung zwischen der Autobahnauffahrt (Jos.-von-Görres-Str.) und dem Adalbertsteinweg in Richtung Eifel.

Die Namensgebung weist auf Schlachtorte im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 hin. Dieser hatte seine Ursache in der Verschiebung der Machtverhältnisse in Mitteleuropa zugunsten von Preußen gegenüber Frankreich, nicht zuletzt durch den siegreichen Feldzug Preußens im österreichischen Krieg (Königgrätz) von 1866.

Anlass dieses vor allem auf französischer Seite verlustreichen Waffenganges war die Thronkandidatur eines hohenzollerischen Prinzen – Leopold von Hohenzollern, einem entfernten Verwandten Wilhelm I. von Preußen – für den spanischen Thron. Napoleon III., Kaiser von Frankreich, forderte Wilhelm I. ultimativ auf, diese Kandidatur nicht zu unterstützen, wozu dieser nicht abgeneigt war. Da diese Forderung aber auch beinhaltete, für alle Zeiten auf die Königsmacht in Spanien zu verzichten, lehnte Wilhelm I. ab.

In diese Haltung bestärkt wurde er durch den preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck, der der französischen Forderung durch Textverkürzung einen schroffen Charakter gab (Emser Depesche). Nach dieser Ablehnung erklärte Frankreich den Krieg.

Auf preußischer Seite traten damit alle im Norddeutschen Bund vereinten deutschen Staaten mit in den Krieg ein. Diesen schloss sich noch der Süddeutsche Bund unter Führung Bayerns an.

Militärisch gut vorbereitet (Bismarck hielt eine Auseinandersetzung mit Frankreich schon längere Zeit für unausweichlich), griffen die Bundestruppen unter preußischer Führung über die Pfalz an und warfen die französischen Streitkräfte nach Siegen bei Weißenburg, Wörth und Spichern auf das Elsaß und Lothringen zurück. Weitere Geländegewinne führten zum Einschluss der französischen Hauptarmeen in den Festungen Sedan und Metz. Am 2. Sept. 1870 kapitulierte die Festung Sedan mit Kaiser Napoleon III., der sich bei seinen Truppen befand. Die Festung Metz kapitulierte am 27. Okt. 1870, womit der Deutsch-Französische Krieg zugunsten des Deutschen Bundes entschieden war (kleinere Gefechte, die sich bis Januar 1871 hinzogen, änderten nichts mehr).

Am 18. Jan. 1871 wurde im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles durch die deutschen Fürsten das Zweite Deutsche Kaiserreich ausgerufen, mit Wilhelm I. als Kaiser. Der anschließende Friedensschluss ergab für Frankreich erhebliche Reparationskosten und den Verlust des Elsaß sowie Ostlothringens. Als Reichsland Elsaß-Lothringen wurde dieses Gebiet dem Deutschen Reich angeschlossen.

Oranienstraße

Die Oranienstraße ist eine Wohnstraße. Sie schließt im Süd-Osten an den Adalbertsteinweg, im Nord-Westen an die Viktoriastraße an. Nur die Kirche einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde unterbricht die architektonisch unterschiedlich gestalteten Häuserzeilen.

Der Name dieser Straße ist eine Hommage an das niederländische Königshaus von Oranien-Nassau, das seine Herkunft auch heute noch in der niederländischen Nationalhymne – mit: „Wilhelm von Nassau bin ich, von deutschem Blut“ – bekennt.

Wilhelm der Schweiger, der Stammvater dieses Hauses, wurde 1533 in Dillenburg als Graf von Nassau geboren. Bereits 1544 erbte er einen umfangreichen Besitz in den Niederlanden sowie das französische Fürstentum Orange in der Provence. Diesen Namen fügte er seinem Ursprungstitel zu.

Obwohl er vom spanischen Habsburger Philipp II. 1559 zum Statthalter von Holland, Utrecht und Seeland eingesetzt wurde, fühlte er sich lediglich als Erfüllungsgehilfe spanischer Machtinteressen und fürchtete erhebliche Einschränkungen seiner Privilegien. Mit dieser unentschlossenen Haltung unzufrieden, schickte Philipp II. den Herzog Alba in die Niederlande, um seinen Vorstellungen Nachdruck zu verleihen. Nun setzte sich Wilhelm zur Wehr. Er nahm das calvinistische Bekenntnis an. Anschließend begannen militärische Auseinandersetzungen, die 1579 im Zusammenschluss der sieben nördlichen Provinzen der Niederlande in der „Utrechter Union“ mündeten. Die Wiedereingliederung in das spanische Habsburgerreich misslang trotz beträchtlicher militärischer Investitionen auf spanischer Seite. Damit verteidigte Wilhelm die de-facto-Selbständigkeit der nördlichen Niederlande – die südlichen Niederlande (Belgien) blieben Spanien jedoch erhalten.

An dieser Zweiteilung änderte auch die Ermordung Wilhelms 1584 nichts mehr. Sein Sohn Moritz und alle weiteren Nachfolger behaupteten diese Eigenverantwortlichkeit, so dass die „Generalstaaten“, wie sie sich nannten, von einem Statthalten geführt, 1648 auch de jure im Westfälischen Frieden – der den 30jährigen Kriege beendete – ihre Selbständigkeit verteidigen konnten und aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation ausschieden.

In der Folgezeit, zwischen 1688 – 1703 mit Wilhelm II. mit Britannien verbunden (Wilhelm III. – König von England), trat das Land vor allem als Seemacht hervor und legte den Grundstein einer bedeutenden Kolonialmacht, ehe der englische Lordprotektor Oliver Cromwell der niederländischen Weltmeerherrschaft mit Hilfe der Navigationsakte einen Niedergang bereitete.

1815 wurden die Niederlande von Napolen I. besetzt. Dies wurde durch Vereinbarungen auf dem Wiener Kongress beendet. Die Statthalterschaft wurde in ein Königreich verwandelt, das zunächst auch den südlichen Teil mit beinhaltete.

Das Revolutionsjahr 1830 erfasste auch die Niederlande. Der katholische, südliche Teil der Niederlande erhob sich gegen den calvinistischen, nördlichen Teil und erreichte 1848 mit Zustimmung des Königs seine Selbständigkeit. Als Königreich der Belgier mit einem katholischen König aus deutschen Landen (Coburg-Gotha) entwickelte sich auch dieser Staat.

Im Norden der Niederlande regiert mit der Monarchin Beatrix I. z. Zt. die fünfte Generation aus dem Königshaus Oranien-Nassau.

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