Strassennamen des Ostviertels

Teil 4: Lützowstraße - Peliserkerstraße

Lützowstraße

Die Lützowstraße ist die längste Straße im Bereich der Siedlung „Panneschopp“, die Wohneinheiten wurden im Bauhausstil errichtet. Sie ist eine reine Wohnstraße, aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts stammend. Unterbrochen lediglich durch den „Familiengartenverein Lützowstraße“, mündet sie nord-östlich in die Stolberger Straße und süd-westlich in die Elsassstraße ein.

Ihren Namen verdankt diese Straße Ludwig Adolf Wilhelm Freiherr von Lützow, einem preußischen Offizier, der in den napoleonischen Kriegen in einem von ihm gegründeten Freicorps militärischen Widerstand gegen die französischen Besatzer leistete.

Von Lützow, geboren 1782 in Berlin, war Kampfgefährte von Ferdinand von Schill, einem weiteren Freicorps-Führer, der 1809 im Straßenkampf von Stralsund im 5. Koalitionskrieg gegen Napoleon fiel. Danach rekrutierte von Lützow ein eigenes Freicorps, das aber von Preußen keinerlei Unterstützung bekommen konnte, da dieses besiegt und unter napoleonischer Abhängigkeit stand. Mitkämpfer waren u. a. die Dichter Theodor Körner und Josef von Eichendorff, sowie der spätere Turnvater Jahn.

In schwarzer Uniform mit roten Aufschlägen und goldenen Knöpfen starteten die „Lützower“ den Versuch, ein deutsch-nationales Volksheer auf die Beine zu stellen, um die deutschen Lande durch Masse von den französischen Invasoren zu befreien. Die militärischen Erfolge blieben jedoch aus, da die französischen Truppen bestens geschult waren und über eine überlegene Ausrüstung verfügten.
Völlig aufgerieben, lösten sich die noch verbliebenen Reste im Juni 1813 auf.

Neu aufgestellt kämpfte die „Schwarze Schar“ anschließend im Truppenverband mit Preußen, Österreichern und Russen im 6. Koalitionskrieg gegen Napoleon I. weiter, hier ebenfalls keine große Bedeutung gewinnend. Als preußischer Generalmajor starb von Lützow 1834 in Berlin.

Von Lützow’s Bedeutung liegt darin, dass er in einer Zeit fast aussichtlosen Widerstandes zu den Waffen griff und damit ein Symbol nationalen Freiheitswillens verkörperte. Im bekannten Gedicht von Theodor Körner – Lützows wilde, verwegene Jagd - kommt diese Auffassung in romantisch-verklärter Weise zum Ausdruck.

Anmerkung: Die Uniformfarbe der „Lützower“: Schwarz-Rot-Gold, wurde nach dem Ende der Befreiungskriege 1815 von den national gesinnten, vom restaurativen Regime der deutschen Fürsten enttäuschten, Studenten als die deutschen Farben bestimmt (Schwarz = Preußen, Rot = Hansestädte, Gold = vergangenen Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation). Damit leben diese 3 Elemente noch heute in unserer Nationalflagge fort.

 
Peliserkerstraße

Die Peliserkerstraße, ursprünglich eingebettet in Wiesen, Feldern und zwischen zwei Gartenbaubetrieben, hat in der letzten Dekade eine nachhaltige städtebauliche Veränderung erfahren: Vom südlichen Straßenkreuzpunkt Breslauer Straße, Lützowstraße, Stolberger Straße angefangen bis zur Josef-von-Görres-Straße, wurden Wohnungsneubauprojekte ausgeführt. Darüber hinaus in westlicher Richtung bis zur Aretzstraße säumt die Peliserkerstraße weiter Neubauten sowie die Hinterfronten des Ostfriedhofs und der Hugo-Junckers Realschule.

Der Name weist auf eine alte Flurbezeichnung hin, die offensichtlich auf einen gewissen Adam Pilyser zurückgeht, der im 14. Jahrhundert im Adalbertsviertel wohnte und am Rande des Ostviertels eine Schleifmühle betrieb. Bei der Schleifmühle befand sich immer eine Mühlenschleuse, die in der Aachener Mundart mit "Erker" bezeichnet wurde, so dass sich der Straßenname aus diesen zwei Komponenten zusammensetzt. Einen Rückschluss auf die Produkte, die Adam Pilyser herstellte, lassen die Erkenntnisse über solche Mühlen zu. Er befasste sich mit Pfeilen, deren Schaft aus Holz und deren Spitze aus Eisen gefertigt wurden. Daher auch sein Name:
Pil = Pfeil - Yser = Eisen.

Eisenpfeile für Lang- und Kurzbögen waren im Mittelalter unverzichtbare Waffen im Kleinen (Fehden der Adelsgeschlechter untereinander) wie im Großen (z. B. der hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England 1339 - 1453), die über Sieg oder Niederlage mit ungeahnten Folgen für Bürger und Bauern entschieden. Zwar war das Schießpulver schon erfunden, aber im 14. Jahrhundert noch nicht zur Einsatzreife entwickelt. Erst im 15. Jahrhundert ließ der französiche König Karl VII. kleine "Feldschlangen" entwickeln, die letztendlich den Ausschlag für den französischen Sieg bedeuteten.

Man unterschied Geschütz- und Gewehrwaffen, wobei Gewehrwaffen erst im 16. Jahrhundert mit Musketen, einer schwerfälligen Gewehrwaffe, serienmäßig zum Einsatz kamen.

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