Strassennamen des Ostviertels

Teil 5: Kongressstraße - Steubenstraße

Kongressstraße

Die Kongressstraße ist im Wesentlichen eine Wohnstraße. Allerdings wird sie auf der Ostseite vom neugotischen Gebäude des Amts- und Landgerichts sowie einem Bunker (zu Beginn der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts als Bombenschutz errichtet – in den 80er Jahren in Wohneinheiten umge-wandelt) bestückt. Die Straßenachse verläuft in nord-südlicher Richtung und wird begrenzt vom Adalbertsteinweg (nördlich) und dem Pastorplatz (südlich).

Der Name geht auf den Aachener Kongress zurück, der 1818 als Folge des Wiener Kongresses von 1814/15 hier abgehalten wurde: Der Wiener Kongress versuchte als Antwort auf den napoleonischen Imperialismus ein Gleichgewicht unter den europäischen Staaten mit Berücksichtigung der vorrevolutionären dynastischen Legitimitäten herzustellen. Alle drei Jahre sollte ein Folgekongress die 1814/15 gefassten Beschlüsse zum Einen auf ihre Einhaltung überprüfen, zum Anderen nochmals diese bekräftigen. Als Garant dafür dienten Großbritannien, Österreich, Preußen und Russland.

Auf Vorschlag des damaligen Vorsitzenden (Klemens Wenzel Fürst von Metternich – Staatskanzler Österreichs) wurde als erster Versammlungsort nach dem Wiener Kongress die ehemals freie Reichs- und nunmehr preußische Regierungsbezirksstadt Aachen ausgewählt. Vom 29. September bis 21. November 1818 tagte dieser Kongress, an welchem zeitweise die Monarchen Österreichs (Kaiser Franz I.), Preußens (König Friedrich Wilhelm II.) und Russlands (Zar Alexander I.) teilnahmen. Großbritannien wurde vertreten durch Lord Castlereagh (für König Georg III.). Darüber hinaus bevölkerte eine Fülle von Diplomaten die Stadt.

Neben der Bestätigung der Beschlüsse des Wiener Kongresses in feierlicher Form als „Heilige Allianz“ wurde Frankreich nach Rückkehr zur Monarchie unter König Ludwig XVIII. offiziell in den Bund aufgenommen. Damit ging einher die Räumung Frankreichs durch die Verbündeten bis zum 30. 11. 1818 und die Herabsetzung der Kriegskontribution von 700 Mio. auf 265 Mio. Francs. Des Weiteren wurde Frankreich als 5. Großmacht Europas anerkannt. Schließlich wandte man sich innerdeutschen Problemen zu (Unruhen an deutschen Universitäten – Territorialstreitigkeiten zwischen Baden und Bayern). Als nächster Ort für den Folgekongress im Jahre 1820 wurde Troppau in Mähren festgelegt.

Die Unterbringung gleich dreier Monarchen in Aachen während einer Reihe von Kongresstagen erwies sich zunächst als schwierig, wurde aber durch die Generosität einiger Aachener Großbürger, die ihre komfortablen Villen in der Innenstadt zur Verfügung stellten, möglich gemacht (die Straßennamen Franzstraße, Alexanderstraße und der Friedrich-Wilhelm-Platz zeugen noch heute von den „Bleiben“ der hochadeligen Gäste).

 
Steubenstraße

Die Steubenstraße ist die kleinste Straße, aber zugleich auch Mittelpunkt der Siedlung „Panneschopp“. Sie dient ausschließlich Wohnzwecken. Angelegt in Nord-Süd-Richtung, trifft sie zum Einen auf die Stolberger Straße (Nord), zum Anderen auf die Leipziger Straße (Süd).

Ihr Namensgeber, Friedrich-Wilhelm von Steuben, geboren 1730 in Magdeburg, war Sohn eines preußischen Ingenieurhauptmanns. Er selbst trat in die Spuren seines Vaters als Angehöriger der preußischen Armee. Im 2. Schlesischen (1744-1745) und im siebenjährigen Krieg (1756-1763), die von Friedrich II. (dem Großen) von Preußen mit dubiosen Gründen (weit zurückliegende und in ihrer Rechtmäßigkeit umstrittene Ansprüche auf Schlesien) gegen Österreich angezettelt wurden, bekleidete von Steuben zunächst als Leutnant und später als Generaladjutant Posten, die auf eine Militärkarriere schließen lassen. Eine zwischenzeitliche russische Kriegsgefangenschaft 1761/62 (Russland war Verbündeter Österreichs) änderte daran nichts, sondern beförderte ihn zum Stabskapitän und Flügeladjutanten Friedrichs II.. Offensichtlich führte der Seitenwechsel Russlands 1762 durch Zar Peter III. (nach dem Tode der Zarin Elisabeth), der nun Preußen unterstützte, zur Entlassung von Steubens aus der Kriegsgefangenschaft und zu den höheren militärischen Ehren.

Ungeklärte Gründe führten zum Abschied aus dem preußischen Militärdienst. In der Folgezeit versah von Steuben das Amt eines Hofmarschalls beim Fürsten von Hohenzollern-Hechingen (1764) und eines Obersten im badischen Heer (1775).

Auf Vermittlung des französischen Kriegsministers Saint Germain übersiedelte von Steuben nach Nordamerika, um dort im Unabhängigkeits-krieg (1775-1783) die Amerikaner gegen die englische Kolonialarmee zu unterstützen.

Die französische Unterstützung der Unabhänigkeitskämpfer war die Antwort auf den Verlust der gesamten Kolonien in Kanada und von weiteren Territorien in der späteren USA an England. Durch die Unterstützung der Amerikaner erhofften sich die Franzosen zumindest eine moralische Genugtuung.

Rasch stieg von Steuben zum Generalinspekteur der nordamerikanischen Streitkräfte auf. In dieser Eigenschaft war er insbesondere für die militärische Ausbildung und Reformierung der Armee zuständig: damit hatte er einen wesentlichen Anteil am erfolgreichen Waffengang mit den Engländern, was zur Folge hatte, dass die ehemaligen 13 Neu-England-Staaten im Osten mit einer Erweiterung bis zum Mississippi selbständig wurden. Seine Erwartung, zum Kriegsminister ernannt zu werden, erfüllte sich jedoch nicht. Deshalb zog er sich verbittert ins Privatleben zurück. Am 28. 11. 1794 starb er in New York.

Dennoch ist er nicht vergessen: Die Steuben-Parade im September jeden Jahres erinnert an seinen großen Beitrag zur Freiheit der USA. In ihren historischen Uniformen hat auch die „Öcher Penn“ schon an dem traditionellen Umzug teilgenommen.

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