Strassennamen des Ostviertels

Teil 10: Gneisenaustraße

Gneisenaustraße

Diese in west-östlicher Richtung angelegte Straße verläuft ab Ende Eifelstraße (ist deren Weiterführung nach rechtwinkligem Knick), mündet in die Peliserkerstraße. Vorher wird sie etwa mittig von der Josef-von-Görres-Straße gekreuzt. Im östlichen Teil ist sie eine reine Wohnstraße mit einem Kinderspielplatz-Carrée, im westlichen Teil ist sie eine kleine Durchgangsstraße. Dort grenzt auf der nördlichen Straßenseite der Ostfriedhof an.

Mit ihrem Namen erinnert sie an August Graf Neidhardt von Gneisenau, der diesen Namen von einer österreichischen Adelsfamilie annahm. Geboren 1760 in Schildau bei Torgau, begann er in späteren Jahren ein Studium, das er aus finanziellen Gründen abbrach. 1778 trat Gneisenau in österreichische Dienste, wechselte aber schon bald (1780) als Offizier in ein Brandenburgisch-Ansbachisches Regiment und nahm 1782/83 am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teil, allerdings auf britischer Seite. Zurückgekehrt, schloss  er sich 1785 Preußen an und trug dazu bei, 1795 Polen endgültig zu zerschlagen (3. Polnische Teilung).

Die militärische Niederlage Preußens gegen Frankreich (Napoleon I.) 1706/07 konnte auch er nicht verhindern, machte sich aber erstmals einen Namen  durch die erfolgreiche Verteidigung der preußischen Festung Kolberg (mit Nettelbeck und Schill), die erst mit dem Friedensschluss zwischen Preußen und Frankreich 1807 aufgegeben werden musste. Eingedenk dieser militärischen Leistung machte ihn König Friedrich-Wilhelm III. 1809 zum Festungsinspekteur. Da diese Ernennung mehr theoretischen als praktischen Sinn hatte (da die Franzosen den Preußen auf diesem Gebiet keinerlei Spielraum überließen und Preußen am Krieg Österreich gegen Frankreich 1809 nicht teilnahm) nahm Gneisenau seinen militärischen Abschied.

In der Folgezeit suchte er nach Möglichkeiten, die  Vorherrschaft Napoleons I. anderweitig einzuschränken. Im Auftrage Hardenbergs, dem preußischen Staatskanzler, knüpfte Gneisenau Bande mit Großbritannien, Österreich, Russland und Schweden. Dies brachte ihm im 5. Koalitionskrieg (Befreiungskrieg) gegen Frankreich 1813 das Amt des  Generalquartiermeisters der Schlesischen Armee Blüchers ein. Als Stabschef Blüchers leitete er maßgeblich die strategischen Planungen und deren organisatorische Ausführungen in der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) und bei Waterloo (1815), die letztlich den Untergang Napoleons besiegelten. Im Gegensatz zu den restaurativen Vorstellungen der europäischen Monarchen nach dem Sturz Napoleons I. bewegte Gneisenau nationales und liberales Gedankengut mit der Folge, dass er seine Stelle als operativer General in Koblenz aufgeben musste. Nur noch mit repräsentativen Aufgaben betraut, wurde er auf Grund seiner militärischen Verdienste in früherer Zeit trotzdem zum Generalfeldmarschall befördert und erhielt letztmalig  1831 den Oberbefehl über die preußische Interventionsarmee in Polen zur Niederschlagung des dortigen Aufstandes. Gneisenau fiel 1831 in Posen einer Cholera-Epidemie zum Opfer.

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