Strassennamen des Ostviertels

Teil 12: Breslauer Straße

Breslauer Straße

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstand diese Straße als eine Radiale für den Durchgangsverkehr, um das Ostviertel mit seinen überwiegend kleineren Straßen in Richtung Eilendorf und Haaren zu entlasten. Sie beginnt an ihrem Südwest-Punkt an der Straßenkreuzung Peliserker-, Lützow- und Stolberger Straße führt nach Nordosten und mündet in den Berliner Ring. Zum Pfarrbezirk gehört nur der westliche Teil bis zur Dresdener Straße. Als Gewerbegebiet ausgewiesen sind Großbetriebe, Mercedes nördlich und das Hirsch-Center (u. a. mit EDEKA, ALDI und Müller) südlich, angesiedelt. Auch ein Gartenbaubetrieb (Familiengartenverein „Eintracht Nord“) nördlich, ein Sport- und ein Bolzplatz südlich gehören zu den angrenzenden Einrichtungen.

Die Bezeichnung „Breslauer Straße“ geht auf die alte schlesische Hauptstadt Breslau zurück und soll den Gedanken wach halten, dass diese Stadt über Jahrhunderte eine deutsche Stadt war, die ab 1945 unter polnischer Verwaltung stand. Durch den Deutsch-Polnischen Grenzvertrag von 1990 gehört die Stadt zu Polen.

Die Geschichte Breslaus entspricht im Wesentlichen der Geschichte Schlesiens, die mit den Silingen (daher der Name) ihren Anfang nahm. Diese Ureinwohner wurden in der Zeit vom 6.-8. Jahrhundert (n.Chr.) durch aus dem Osten einsickernde Slawenstämme verdrängt.

Zu Beginn des 10. Jahrhunderts sicherten sich zunächst die böhmischen Premyliden die Herrschaft über das teils gebirgige, teils flache und fruchtbare Land. Diese wurde aber schon bald von den polnischen Piasten (der ersten bekannten polnischen Dynastie) um 1000 abgelöst. Die Piastenfürsten betrieben die Christianisierung und gründeten in diesem Zusammenhang das Bistum Breslau. In der Folgezeit litt Schlesien unter einer beispiellosen Zersplitterung in 17 Teilherzogtümer, zuzüglich des geistlichen Fürstentums Breslau-Neiße. Um diese „Schrebergartenpolitik“ zu beenden, unterstellten sich die Piasten 1327 dem böhmischen König Johann, der gleichzeitig deutscher Kurfürst war.

Sein Sohn Karl, als deutscher Kaiser Karl IV., zog Schlesien als böhmisches Krongut daraufhin ein. Die Habsburger, die als Nachfolger (1437) Böhmen und das Deutsche Reich regierten (Albrecht II. ab dieser Zeit), übernahmen das Krongut Schlesien. Trotz der katholisch-habsburgischen Herrschaft fand die Reformation nach 1526 viele Anhänger, insbesondere in Niederschlesien mit Breslau. Ihren Höhepunkt erreichte die protestantische Ausrichtung mit der Unterstützung Friedrichs V., dem Kurfürsten von der Pfalz, der zunächst die Habsburger aus Prag vertrieb und sich selbst zum König von Böhmen durch die böhmischen Stände wählen ließ.

Die Schlacht am Weißen Berg 1620, die den 30-jährigen Krieg in deutschen Landen einleitete, änderte Einiges. Der deutsche Kaiser Ferdinand II. (1619-1637) gewann diese Schlacht und besetzte als ursprünglicher König von Böhmen wieder das gesamte Land einschließlich Schlesien und leitete die habsburgische Gegenreformation ein. Erst 1607 erleichterte die Konvention von Altranstädt den verbliebenen Protestanten das Dasein. Die drei Schlesischen Kriege, die der preußische König Friedrich II. (der Große) auf Grund zweifelhafter Erbansprüche unternahm (1740-1763), führten zur Angliederung Schlesiens an Preußen, womit sich das Los der schlesischen Protestanten weiter verbesserte. Allerdings musste Friedrich II. eine Sonderstellung der Katholiken Schlesiens akzeptieren. Der „Wiener Kongress“ 1815 ergab für Schlesien durch Zuteilung der Oberlausitz (heute Sachsen) einen weiteren Zuwachs.

Kirchen- und Schulfragen, insbesondere durch die polnische Minderheit vertreten, belasteten im 19. Jahrhundert zunehmend das Verhältnis zu preußischen Staat. Ende des 1. Weltkrieges 1918 wurde deshalb der nord-östliche Teil Schlesiens dem neu entstandenen polnischen Staat zugesprochen. Die militärische Niederlage Polens 1939 kehrte den deutschen Gebietsverlust wieder um. Ende des 2. Weltkrieges (1945) verlor nun Deutschland das gesamte Schlesien. Fast alle Deutschen wurden vertrieben und durch polnische Bevölkerung aus den Ostgebieten Polens (das nun sowjetisch besetzt war) ersetzt.

Der bereits erwähnte Deutsch-Polnische Grenzvertrag von 1990 gilt als endgültige Beilegung der Streitigkeiten um Schlesien. Nur ein kleiner Teil um Görlitz ist bei Deutschland verblieben. Ein Verlust, der durch die „Niederknüppelung“ Polens im 2. Weltkrieg selbst verschuldet ist.

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