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Ausstellung in St. Fronleichnam - Bauhaus im Westen?


Die Ära Rudolf Schwarz an der Aachener Kunstgewerbeschule 1927-1934

Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums der Gründung des Bauhauses in Weimar 1919 zeigt die von der FH Aachen konzipierte Ausstellung die programmatischen Ideen und Projekte der Kunstgewerbeschule Aachen aus der Zeit zwischen 1927 und 1934 am authentischen Ort ihres bedeutendsten Gesamtkunstwerkes, der Kirche St. Fronleichnam in Aachen.
Als Rudolf Schwarz 1927 die Leitung der bereits seit 1904 bestehenden Kunstgewerbeschule Aachen übernimmt, richtet er sie organisatorisch und programmatisch neu aus. Den "formal veralteten" reinen Zeichenunterricht kritisierend ist sein Ziel, die praktische Umsetzung der von
Lehrern und Schülern gemeinschaftlich geschaffenen Werke im Sinne einer Bauhütte voranzutreiben. In sakralem Duktus formuliert er den Wunsch zum Aufbau einer Werkgemeinde, "von einem einzigen einheitlichen Willen beseelt". Wunschbild ist das Erschaffen eines Gemeinschaftswerks, eines großen neuen Baues, der ihm mit St. Fronleichnam schließlich wenige Jahre später gelingen sollte.
Zahlreiche seiner Reformideen, wie etwa die starke Betonung der Werkstattarbeit oder der Wunsch nach Serienproduktion von Prototypen, lehnen sich an die Arbeitsmethoden des Bauhauses an. Zugleich unterscheiden sie sich wesentlich dadurch, dass sie weit westlich von Dessau, im katholischen Rheinland und in Abgrenzung zum profan ausgerichteten Bauhaus, einer "Sakralen Moderne" entspringen. Ähnlich wie die Kölner Werkschulen steht die Schule nicht nur in der Tradition der kunstgewerblichen Handwerksausbildung, sondern vertritt in den Zwanziger Jahren äußerst innovative Gestaltungsideen und Ausbildungsmethoden, insbesondere im Bereich sakraler Entwurfsaufgaben. Die sakrale Moderne beschränkt sich hierbei nicht nur auf die Ausführung sakraler Gestaltungsaufgaben im Auftrag der Kirche, sondern bedeutet vielmehr auch weit über die profane Funktionalität und neue Sachlichkeit hinausgehend die Übersetzung sakraler Ideen in eine neue Formensprache einer modernen Ausdrucksweise.
Die Ausstellung umfasst drei Teilbereiche: In einem ersten Teil werden anhand von Reproduktionen von Originalfotografien und -texten die Ideen der Schule, ihre Arbeitsweisen, Lehrer/ -innen, Schüler/ -innen sowie ihre Werke in Form von Bauten und kunstgewerblichen Objekten vorgestellt. Ein zweiter Teil der Ausstellung zeigt das Ergebnis einer studentischen Seminararbeit am Fachbereich Architektur der FH Aachen. Anhand von digital selbst modellierten und 3D-gedruckten Architekturmodellen, ergänzenden Zeichnungen sowie Texten erläutern die Studierenden die teilweise wenig bekannten und nicht realisierten Projekte der Kunstgewerbeschule, hierzu zählen studentische Entwürfe, Idealentwürfe, nicht umgesetzte Wettbewerbsbeiträge oder Vorstudien zu realisierten Bauten.
In einem dritten Teil wird die Kirche St. Fronleichnam mit ihren Ausstattungselementen thematisiert, indem anhand der Einzelobjekte der Blick auf das hier geschaffene Gesamtkunstwerk gelenkt wird.
Die Ausstellung thematisiert den eigenständigen Weg der Aachener Kunstgewerbeschule in die Moderne und wirbt dabei für ein Verständnis für eine heute, 90 Jahre nach der Entwicklung der ersten Entwurfszeichnungen für St. Fronleichnam, oft noch wenig gewürdigte moderne Sakralarchitektur, die der Theologe Romano Guardini 1931 in seinem Beitrag "Die neuerbaute Fronleichnamskirche in Aachen" (in: Die Schildgenossen 11, 1931, S.
267) treffend so beschrieb: "In dieser Kirche lebt heilige Gegenwart.[...] Ich könnte mir denken, daß einer sagte, sie sei leer. Dann würde ich ihm erwidern, er solle tiefer in sein eigenes Fühlen hineinmerken, ob er es richtig versteht.[...] Das ist keine Leere; das ist Stille! Und in der Stille ist Gott. Aus der Stille dieser weiten Wände kann eine Ahnung der Gegenwart Gottes hervorblühen...".
Prof. Dr . Anke Fissabre
(FH Aachen, Kuratorin der Ausstellung)

Pfarrgemeinde St. Josef und Fronleichnam - Leipziger Str. 19 - 52068 Aachen