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Baugeschichte und Architektur

Die Fronleichnamskirche, von Rudolf Schwarz 1928 - 1930 erbaut, ist der erste moderne Kirchenbau Aachens und auch eines der frühesten Beispiele dieser Art in Deutschland, der kompromisslos auf kubischen Grundformen basiert. Das Gemeinschaftsprojekt von Rudolf Schwarz, Hans Schwippert und Johannes Kran (Innenausstattung) ruft seit der Vollendung bis heute noch immer kontroverse Meinungen hervor. Für Aachen, mit seinem über Jahrhunderte kontinuierlichen Kirchenbau, stellte dieses Gotteshaus ein Wagnis dar, mit dem man sich zuerst einmal auseinander setzen musste. Aachener Dom und Fronleichnamskirche haben die Initialzündung in jeweils ihrer Zeit gemeinsam.

Außer dem angesetzten Glockenturm (Höhe 40 m) als Campanile, scheint sich die Fronleichnamskirche von den traditionellen Sakralformen vollständig abzusetzen. In der klar gegliederten Siedlungsanlage, in der die Straßen fast ausschließlich im rechten Winkel zueinander verlaufen, entsteht eine Kirche, die dieses Prinzip in sich aufnimmt. Der Arbeitersiedlung ist das schlichte Gotteshaus angemessen.

Der Baukomplex der Kirche besteht aus einem großen, weißen Kubus (Höhe 21 m, Länge 48,40 m, Breite 20,70 m ), dem schlanken, hohen Glockenturm und einem niedrigen Seitenschiff, das als verbindendes Element zwischen beiden fungiert.

Die harte, klar begrenzte Form des Hauptschiffes wird durch ein flaches Satteldach leicht gemildert, aber nicht beeinträchtigt. Einzige Auflockerung der schmucklosen Wandflächen stellen die quadratischen Fenster und Türen dar. Die klare Linienführung behält Schwarz auch in der Ausformung des Grundrisses bei: ein starres Rechteck, aus dem nur der angesetzte Turm vorspringt.

Auch im Inneren dominiert der weiße Kubus. Im Kontrast zu den hellen Wänden und der Flachdecke steht der dunkle Fußboden. Die Fenster – Drahtornamentglas mit einem geätzten Muster, entworfen von Ludwig Schaffrath – sind reine Lichtöffnungen und ziehen sich als Band unterhalb der Decke beinahe um den gesamten Innenraum, sparen einzig die Altarwand aus und steigen an der Nord/Ostwand doppelreihig zum Boden. Durch das gleichmäßig einfallende, helle Licht wird die Höhe und Weite des Raumes noch betont, ja das diffuse Licht verklärt ihn.

So stellt die Kirche eine gelungene Umsetzung des Patroziniums in die Sprache der Architektur dar. Der Bau soll nicht nur „Herrenleib“ heißen, sondern auch werden (Schwarz).

Auf den weißen Wandflächen findet das Auge des Betrachters keine optischen Halt, es gleitet suchend über die Altarrückwand und wird von einem winzigen Kreuz des Hochaltars angezogen. Das nun etwa 30 cm hohe Kreuz von Fritz Schwerdt zeigt auf blau emailliertem Grund einen schlichten Elfenbeinkorpus (Walter Ditsch).

Die weitere Gestaltung des Innenraums lag in den Händen von Johannes Krahn, der häufig mit Schwarz zusammen arbeitete. Sein überzeugendes gestalterisches Element sind die von den Decken herabhängenden Lichtsäulen, die die Proportion des Raumes unterstreichen. Den rückwärtigen Teil des Hauptschiffes füllt auf der Gesamtbreite eine Orgel aus, die die kubischen Formen des Baukomplexes aufnimmt.

Die übrige Ausstattung ist auf die wesentlichen Elemente reduziert und geleitet den Gläubigen auf seinem Weg zum Heil, zum Altar und Sakramentshaus, dem Aufbewahrungsort des Allerheiligsten. Dies ist der Raum für das Gebet der Gemeinschaft, für den Gottesdienst im Rahmen einer großen Menschenmenge (362 Sitzplätze und 1.000 Stehplätze).

Im Gegensatz dazu findet sich im niedrigen Seitenschiff, das auf seiner gesamten Länge zum Hauptschiff hin geöffnet ist, der Gebetsraum für das persönliche Anliegen des einzelnen. Den kapellenartigen Charakter dieses Seitenschiffes verstärkt ein zur Stütze reduziertes Wandelement, an das eine würfelartige Kanzel angesetzt ist.






Das einheitliche Gesamtbild wird in diesem Kapellenraum durch das Marienbild und den Kreuzweg (aus Textilfaser) – beide von Wilhelm Rupprecht geschaffen – fortgesetzt und abgerundet. Das Marienbild zeigt nicht die gewohnte Madonna, sondern eine schlichte Frau als Dienstmagd. Das auf Goldgrund gemalte Bild Mariens bietet einen Kontrast zum Kreuzweg.

(Auszug aus dem großen Kunstführer von Schnell & Steiner, verfasst vom Kunst- und Bauhistoriker Bernd Andermahr. Fotos von Uschi Brodda.)

Pfarrgemeinde St. Josef und Fronleichnam - Leipziger Str. 19 - 52068 Aachen