Pastoralreferentin beendet Dienst in der Gemeinde

Liebe Menschen der Gemeinde St. Josef und Fronleichnam und des Ostviertels,
sieben Jahre lang arbeitete ich als Pastoralreferentin im Ostviertel in der Pfarrei St. Josef und Fronleichnam. Rückblickend erscheint mir das wie eine sehr kurze Zeit und doch war sie für mich persönlich sehr prägend, nicht immer einfach, aber schön und bereichernd. Nun ist für mich der Moment des Abschieds gekommen, was mich traurig macht, auch wenn ich mich zugleich auf das freue, was vor mir liegt: Ab dem 1. April 2026 werde ich zur Innovationsplattform des Bistums Aachen wechseln und dort eine neue, spannende Aufgabe übernehmen. Der Abschied von euch, von dieser Gemeinde und diesem Viertel, fällt mir dennoch alles andere als leicht.
In diesen sieben Jahren schloss ich die Gemeinde, die Menschen und das Leben im Ostviertel sehr in mein Herz. In den ersten Jahren wohnte ich ganz in der Nähe. Jedes Mal, wenn ich auf dem Weg ins Büro die Elsassstrasse entlangging, freute ich mich über das fröhliche Leben auf der Strasse und in den Geschäften. Vieles wirkt hier lebendig und unkonventionell und genauso erlebe ich auch euch als Gemeinde und eure gelebte Haltung. Ihr seid wirklich eine tolle Gemeinde:
kreativ, unkonventionell, immer für die Menschen da und mutig politisch engagiert. Das zeigt sich nicht nur in eurem Herz für soziale, ökumenische und interreligiöse Themen, sondern auch symbolisch im einzigartigen, modernen Kirchenbau der Fronleichnamskirche und im kraftvollen Bild „Himmlisches Jerusalem“ von Rita Lausberg in der Grabeskirche St. Josef, die durch Architektur und Kunst auf ganz eigene Weise von Gottes Nähe mitten unter uns erzählen.
Natürlich gibt es in einer widersprüchlichen Gleichzeitigkeit auch die andere Seite des Ostviertels:
die sozialen Herausforderungen, Armut, Ausgrenzungserfahrungen, Einsamkeit, Konflikte. Doch gerade hier erlebte ich immer eine grosse, gelebte Solidarität von Seiten der Gemeinde – sei es im konkreten Unterstützen, im Zuhören, im politischen Engagement oder im gemeinsamen Aushalten. Bei allem, was schwierig ist, war für mich die besondere Schönheit des Ostviertels immer spürbar: in der Vielfalt der Menschen, Religionen und Weltanschauungen, in der Nachbarschaft, in der Hilfsbereitschaft und Großherzigkeit, im Humor, im Mut, immer wieder aufzustehen.Gleichberechtigung und
Geschlechtergerechtigkeit, Rassismuskritik, Klimaschutz, interreligiöser Dialog, Lai*innenpredigt,
Neues im Gottesdienst auszuprobieren und Rituale zu schaffen, die Gemeinschaft stärken –
all das sind nur einige der Themen, mit denen ihr als Gemeinde schon seit vielen Jahrzehnten unterwegs seid. Ihr habt hier vor Ort ein ganz eige-nes, klares Profil entwickelt und es konsequent und diskriminierungssensibel gelebt.
Dass Lai*innen in der Eucharistiefeier predigen, dass zur Kommunionausteilung ein Kreis um den Altar gebildet wird, dass unsere Glaubensgeschwister aus der Yunus Emre Moschee zu Ostern und Weihnachten in den Gottesdienst kommen und ihre Glückwünsche persönlich überbringen können – das sind für mich wertvolle und inzwischen fest etablierte Rituale, die mehr Gerechtigkeit und Sichtbarkeit fördern und die mir ganz besonders in Erinnerung bleiben werden.
Kurz nach meinem Start in der Gemeinde fand im November 2019 die Ausstellung zu Maria 2.0 in der Fronleichnamskirche statt. Sie war ein klares Zeichen und ein bewegendes Erlebnis für viele Menschen aus der Region, die sich Gleichberechtigung in der katholischen Kirche wünschen. Und als sich im Januar 2022 unter #OutInChurch 125 queere Menschen, die für die katholische Kirche arbeiten und in ihr beheimatet sind, öffentlich gemeinsam geoutet haben, wart ihr es, die ihre Forderungen an die Fronleichnamskirche gehängt habt und als eine der ersten Gemeinden die Regenbogenfahne sichtbar hochgezogen und eine Segnungsfeier für alle Paare organisiert habt. Das war stark! Als dann der Ukrainekrieg ausbrach, war die Kirche bei der Erstkommunion mit mehreren hundert bunten Tauben geschmückt, die von Eltern und Kindern liebevoll aus Papier gefaltet wurden. An diesem Tag und in der Zeit danach hat dieses überwältigende bunte Bild für Frieden viele Menschen tief berührt.
Und nicht zu vergessen die feierliche Eröffnung des Josef:a Ecks, das nun ein schöner und gemütlicher Treffpunkt für die Gemeinde geworden ist.
Mit all diesen und noch vielen weiteren Bildern und Geschichten im Herzen verabschiede ich mich von euch. Ich danke euch von Herzen für die Begegnungen, das gemeinsame Unterwegssein, die vielen Aktionen, das Vertrauen und alles, was wir miteinander geteilt haben.
Ich wünsche euch:
Bleibt so, wie ihr seid, macht weiter so, wie es die Gerechtigkeit erfordert, und behaltet den Mut, immer wieder Neues und Kreatives auszuprobieren. Das entspricht für mich genau dem, was ein Teil des Ostergeheimnisses ausmacht:
Gott, die Leben trotz und in allen Widerstände auferstehen lässt.
Ich wünsche euch allen von ganzem Herzen frohe und gesegnete Ostern!
Yasmin Raimundo